Der Bier-Krug mit Brauerei-Reklame
Bei Brauerei-Krügen geht es dem Sammler in erster Linie um die Geschichte und beliebten Biere der Brauerei, die auf dem Krug zu sehen ist. Der Hersteller des Kruges ist hier eher zweitrangig, die Machart einfach. Letztere gibt aber Hinweise auf das Alter des Bierkrugs. Die ersten hand-gedrehten Brauerei-Krüge hatten lediglich einen eingeritzten, später "aufgelegten", leicht erhabenen Schriftzug vorne. Das diente dem Wirt oder der Brauerei zunächst als reine Eigentum-Kennzeichnung z.B. zur Minimierung von Diebstahl.
Der Füllstrich (Eichstrich) saß bei den ersten Exemplaren meist vorne und relativ weit oben unterm Rand, weil es weniger aufschäumte. Das Bier wurde direkt aus dem Faß und nicht mit einer CO2-Zapfanlage gezapft und hatte somit viel weniger gelöste Kohlensäure. Je größer der Abstand zwischen oberem Krugrand und Füllstrich darunter ist, desto jünger i.d.R. der Bierkrug. Eine Maß, eine Halbe oder ein Schoppen Bier hatten je nach Region in Deutschland auch durchaus unterschiedliche Volumina. In Bayern z.B. etwas mehr, in Baden und Württemberg eher weniger als heute... Die Vereinheitlichung der vorgeschriebenen Volumenangaben durch Kaiser Wilhelm I. erfolgte im Jahr 1879, ab 1888 wurden dann auch in Bayern alle Maßkrüge auf einen Liter geeicht. Früher wurde der Haustrunk vom Verbraucher gerne frisch im Krug aus der Wirtschaft / Brauerei geholt. Dies wurde mit steigendem Biergenuss, aus Bequemlichkeit oder wegen schwindendem Stehvermögen, gerne auch an die Kinder delegiert... das kenne auch ich noch aus dem Haushalt meines Großvaters... .. Heute wäre eine Alkohol-Abgabe an Minderjährige undenkbar, weil schlicht verboten. Nicht selten wurde seinerzeit der Krug dann aber doch zuhause "vergessen", nicht zurück gebracht, oder sogar bald mit Bier von der Konkurrenz befüllt ...
Die Entwicklung von aufwändigeren Brauerei-Logos erfolgte später, als die Brauereien durch den steigenden Wettbewerb die Notwendigkeit von besserem Marketing und "Corporate Identity" erkannten. Bei größeren Brauereien wurden Künstler und Grafik-Designer zur Gestaltung des Brauerei-Logos herangezogen. Damit wurden auch die Krüge mit der markanten Brauerei-Reklame schon bald zur beliebten Trophäe für einheimische Bierliebhaber, Sammler und Touristen aus aller Welt.
Ich selbst bin in Bayern geboren und aufgewachsen und habe ein Vierteljahrhundert sehr gerne in der Bierstadt München gelebt und die seinerzeit dortige, einzigartige und tief in der Bevölkerung verwurzelte Bierkultur sehr genossen. Auch in meiner jetzige Heimat in Bayrisch-Schwaben bin ich von vorzüglichen Brauereien in den Nachbardörfern umgeben... Die bayerische Verortung so wie väterliche Wurzeln in Baden-Württemberg lenken und beschränken mein Brauerei-Interesse auf die süddeutsche Brauereigeschichte und so manche Brauerei aus meiner Krug-Sammlung, bzw. deren guten Biere, sind mir wohl bekannt.
Der Niedergang der Bierkrug-Kultur hat sicher vielfältige Ursachen. Er hängt eng mit dem Niedergang der Wirtshäuser, einer veränderten Einstellung der Gesellschaft zum Alkohol, einem veränderten Freizeit- und Sozialverhalten, so wie einem immer schärfer formulierten Alkoholverbot im Straßenverkehr und Alkoholverbot am Arbeitsplatz zu tun. 1875 galt Bier als gesund, heute weiß jeder, dass unser Körper, vor allem Nervenkostüm, Kopf und Leber mit dieser Droge zu kämpfen haben. Nicht zuletzt haben praktische Erfindungen wie die Spülmaschine z.B. den Gebrauch von Bierkrügen mit Zinndeckeln fast zum Erliegen gebracht. Eines ist gewiss: die alten Zeiten kommen nie wieder!
| Verzeichnis aktueller Brauereien in Bayern | (Quelle: Wikipedia) | |
| Verzeichnis ehemaliger Brauereien in Bayern | (Quelle: Wikipedia) | |
| Verzeichnis aktueller Brauereien in Baden-Württemberg | (Quelle: Wikipedia) | |
| Historisches Brauereiverzeichnis von Klaus Ehm | (private Webseite von Klaus Ehm) |
Der alte salzglasierte Bierkrug hat gegenüber dem Glaskrug oder Bierglas einige Vorteile. Das salzglasierte Steinzeug ist ideal für den Erhalt des Bier-Schaums, der sich an der rauhen Innenwand besser hält. Insgesamt bleibt das Getränk auch viel länger frisch als im Glas, denn dieses hat gegenüber der Keramik einen höheren Wärmeleitwert, das Bier wird schneller warm. Wenn auch noch ein Deckel auf dem Krug ist, bleiben auch zusätzlich ungebetene Gäste und Verunreinigungen durch allerlei Herein- und Herabfallendes draußen, ideal, wenn man z.B. im (Bier-)Garten unter Kastanien sitzt.
Rund ums Thema Bierkultur kursieren neben vielen Mythen und Legenden auch verbriefte Geschichten mit Hand und Fuß von Leuten und Organisationen, die es wirklich wissen...
| Weblink: | |
| Geschichte des Bierbrauens | (Quelle: Deutscher Brauer-Bund) |
| Das Brauen | (Quelle: Deutscher Brauer-Bund) |
| Deutsches Reinheitsgebot | (Quelle: Deutscher Brauer-Bund) |
| Bayerische Brauereien im 19. Jhdt. | (Quelle: Historisches Lexikon Bayerns) |
| Deutsche Biersorten | (Quelle: Wikipedia) |
